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Fritz R. Viertel ist Mitglied der Gemeindevertretung und Vorsitzender des Ausschusses für Bildung und Soziales

Warum die Gemeinde Schöneiche bei Berlin kein Geld für eine private Montessori-Schule ausgeben sollte

Fritz R. Viertel ist Mitglied der Gemeindevertretung und Vorsitzender des Ausschusses für Bildung und Soziales

Im September 2014 diskutierte die Gemeindevertretung über eine mögliche, auch finanzielle, Unterstützung für das Privatschulprojekt eines "Internationalen Montessori Campus". Die Mehrheit befürwortete ein solches Projekt, sprach sich jedoch gegen eine finanzielle Beteiligung der Gemeinde aus. Warum, erklärt Fritz R. Viertel in einem Beitrag für "Schöneiche Konkret" (Ausgaben November und Dezember 2014).

In ihrer Sitzung am 10.09.2014 hatte die Gemeindevertretung zu entscheiden, ob die Errichtung eines „Internationalen Montessori Campus“ auf dem ehemaligen Schlossgelände unterstützt wird. Es handelt sich dabei um die Initiative für ein privates Bildungsangebot von der Kita bis zum Abitur, organisiert nach der Montessori-Pädagogik.

Die vom Bürgermeister in Abstimmung mit den Initiatoren ausgearbeitete Beschlussvorlage beinhaltete auch den Prüfauftrag für Realisierungsvarianten, in denen die Gemeinde als Bauherrin für die notwendigen Schulgebäude auftritt. Die kalkulierte Gesamtinvestitionssumme beläuft sich auf rund 10 Mio. Euro, gesplittet in drei Bauabschnitte. Das entspräche einer zusätzlichen Schuldenlast für die Gemeinde durch Kreditaufnahme von mehr als 50 Prozent des Jahreshaushaltsvolumens. Refinanziert werden sollte dies durch Miet- und Zinszahlungen des privaten Schulträgers über einen Zeitraum von mindestens 30 Jahren.

Für eine Mehrheit der Gemeindevertretung war das keine Option. Mit den Stimmen von LINKEN, SPD und Neuem Forum wurde ein Änderungsantrag der SPD-Fraktion angenommen, der eine (Vor-) Finanzierung des Projektes durch die Gemeinde ausschließt. Der geänderten Beschlussvorlage wurde letztlich mit 14 Ja- gegen 4 Nein-Stimmen bei 4 Enthaltungen zugestimmt. Eine Realisierung des Montessori-Campus als privat finanziertes Projekt bleibt damit weiterhin möglich und wird von den Initiatoren angestrebt.

Zum Hintergrund: Im Schuljahr 2009/10 lag der Anteil von Schulen in privater Trägerschaft bundesweit bei 9,2 Prozent, in Brandenburg waren es 11,2 Prozent (Koinzer & Gruehn 2013). Lediglich ein rundes Zehntel der Schülerinnen und Schüler besuchen demnach eine Privatschule. Nach Informationen der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) gab es im Schuljahr 2007/08 bundesweit 400 Montessori-Schulen, 60 Prozent davon in privater Trägerschaft. Als Vergleich: Zum Arbeitskreis Evangelische Schule (AKES), einem Dachverband konfessioneller Trägerorganisationen, gehörten im gleichen Zeitraum 1.134 Schulen. Damit sind die Montessori-Schulen ein besonderes pädagogisches Angebot in der deutschen Schullandschaft, das bisher nur einen sehr begrenzten Kreis von Schülerinnen und Schülern anspricht.

Nach einer aktuellen Information der Gemeindeverwaltung über die Zahl der Einschulungen an den Schöneicher Grundschulen liegt die Gesamtjahrgangsstärke im Zeitraum von 2007 bis 2014 konstant bei etwa 100 Kindern. Selbst wenn man die genannten Daten über den „Marktanteil“ der Montessori-Schulen um die besondere Bevölkerungsstruktur unseres Ortes bereinigt, ist davon auszugehen, dass mit einem Montessori-Campus nur eine Minderheit der Schöneicher Kinder zu erreichen ist. Die Initiatoren des Projektes gehen selbst davon aus, dass sie mit ihrem Angebot in der gesamten Region um Interessenten werben müssen.

Aus meiner Sicht ist es nicht Aufgabe der Gemeinde Schöneiche bei Berlin, mit ihren begrenzten finanziellen Mitteln ein Spartenangebot im Bildungsbereich zu ermöglichen, welches aller Voraussicht nach mehrheitlich von externen Schülerinnen und Schülern genutzt wird, und dabei finanzielle Risiken einzugehen. Das gilt unabhängig von der Bewertung des jeweiligen Konzeptes. Vielmehr ist die Gemeinde dafür verantwortlich, Bildungs- und Betreuungsangebote von hoher Qualität vorzuhalten, die allen Kindern aus unserem Ort zu Gute kommen. Das betrifft insbesondere die bestehenden Einrichtungen.

Die Diskussion über weiterführende Schulen wird in Schöneiche bei Berlin seit 10 Jahren geführt. Mehrfach gab es Anläufe zur Eröffnung einer Privatschule, die jedes Mal am Rückzug der Träger gescheitert sind. Es ist unbestritten, dass unser Ort kulturell von einer eigenen Oberschule profitieren würde. Trotzdem bleibt deren Fehlen ein Luxusproblem. Denn wir haben eine sehr gute Schulversorgung in der unmittelbaren Umgebung, mit öffentlichen und privaten Angeboten von Rüdersdorf über Grünheide und Erkner bis nach Berlin-Friedrichshagen. Alle diese Schulen werden von den Schülerinnen und Schülern aus Schöneiche bei Berlin – auch von mir selbst bis vor wenigen Jahren – besucht und sind mit dem ÖPNV oder dem Fahrrad innerhalb von rund 30 Minuten erreichbar. Die Beförderungskosten trägt der Landkreis. Die meisten sind damit zufrieden.

Das heißt nicht, dass die Bemühungen um ein weiterführendes Bildungsangebot im Ort aufgegeben werden müssen. Aber wir sollten die heiße Nadel bei Seite legen und uns die Zeit dazu nehmen, eine Schule zu organisieren, die für alle kostenfrei ist und auf die alle Schöneicher Kinder gehen können. Dafür bin ich auch bereit, öffentliche Gelder auszugeben.

 

Fritz R. Viertel,

Mitglied der Gemeindevertretung,

Vorsitzender des Ausschusses für Bildung und Soziales

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