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Fritz Viertel, Christa Luft und Tom Strohschneider im Gespräch (von links)

3. Oktober: Über verpasste Chancen und neue Möglichkeiten

30 Jahre nach dem Beitritt der DDR zum Geltungsbereich des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland am 3. Oktober 1990 diskutierten die Ökonomin und Politikerin Christa Luft und der Journalist Tom Strohschneider in der Schöneicher Kulturgießerei über verpasste Chancen der Wendezeit und was wir daraus für die Gegenwart lernen können. Eingeladen hatten die Rosa-Luxemburg-Stiftung Brandenburg und die Linksfraktion in der Gemeindevertretung von Schöneiche bei Berlin. ES moderierte Gemeindevertreter Fritz Viertel. Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung mit nachdenklichen Liedern vom Maria Jacobi.

Ein Veranstaltungsbericht von Christine Engel, Co-Vorsitzende der Schöneicher LINKEN:

Christa Luft und Tom Strohschneider gehören unterschiedlichen Generationen an und haben natürlicherweise einen ganz eigenen Blick auf die Geschichte. Christa Luft hat den 3. Oktober 1990 in der Schweiz verbracht, Tom Strohschneider nahm als 16-Jähriger an einer Demo teil.

Beide haben das Jahr 1989 bis 1990 als ein Jahr der gescheiterten Möglichkeiten empfunden. War es wirklich der Wunsch der Menschen, die für eine „bessere“ DDR auf die Straße gingen, mit fliegenden Fahnen in eine spätkapitalistische Gesellschaft einzutreten? Die zahlreichen „Runden Tische“, die über Möglichkeiten einer neuen Republik stritten, suchten vielmehr nach neuen Alternativen zum Kapitalismus.

Vielfach und immer wieder wurde von der Ökonomie der späten DDR als einer gescheiterten Wirtschaft, die pleite und am Ende war, gesprochen. Christa Luft analysierte die Wirtschaft, wie sie wirklich war und welche Rolle das Auseinanderbrechen des „sozialistischen Lagers“ spielte. Allein gelassen und unter dem Druck der Bundesrepublik, waren alle Reformbestrebungen zum Scheitern verurteilt. Der Zeitdruck kam hinzu und so entschied sich ein großer Teil der DDR-Bevölkerung am 18. März 1990, bei der letzten Volkskammerwahl, für das Versprechen der D-Mark und der „blühenden Landschaften“.

Die bevorstehende Bundestagswahl im Jahr 2021 birgt die wiederum die Möglichkeit, wirkliche Veränderungen einzuleiten. Die "Ära Merkel" endet und Wahlergebnisse sind so wenig vorhersehbar wie kaum jemals zuvor. Mit einer Portion „Zweckoptimismus“ (Tom Strohschneider) kann man hoffen, dass DIE LINKE ihrer Rolle als progressive Partei gerecht wird und mithilft, einen Kurswechsel einzuleiten.

Christa Luft betont, dass nach der Corona-Krise nicht einfach zum Alltag übergegangen werden darf. Das Gesundheitswesen ist zwingend zu reformieren, das Bildungsprivileg ist abzuschaffen. Die Globalisierung bietet Risiken, aber auch Möglichkeiten. DIE LINKE muss diese Prozesse mitgestalten. Soziale Mitbestimmung muss zu einer echten Beteiligung der Menschen an ökologischen Prozessen werden. Eine der wichtigsten Grundlagen ist für sie die Frage nach dem Besitz des Bodens. Öffentliche Bodenfonds bieten die Rahmenbedingungen für bezahlbare Wohnungen und eine ökologische Landwirtschaft.

Wir sollten uns an die Wendezeit und ihre Möglichkeiten des Umbruchs in Ost und West erinnern. Halten wir uns an das Grundgesetz, in dem steht, dass es nach Vereinigung der beiden deutschen Staaten eine neue Verfassung geben muss und gleiche Lebensbedingungen in ganz Deutschland geschaffen werden sollen. Dafür ist noch viel zu tun.

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