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16. März 2018

(K)eine Schule für alle Kinder

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Im letzten Jahr bekam Schöneiche unerwartet die Chance für eine eigene weiterführende Schule. Rechtzeitig hatte sich der Bildungsausschuss der Gemeindevertretung im Juni mit dem Entwurf des neuen Schulentwicklungsplans (SEP) des Landkreises befasst und den Bürgermeister zu einer Stellungnahme gedrängt. Im Oktober bewirkte die parteiübergreifende Zusammenarbeit der Schöneicher Kreistagsabgeordneten, dass im Kreis-SEP nun steht: In Schöneiche ist bei weiterer positiver Bevölkerungsentwicklung eine weiterführende Schule zu errichten.

Nun muss die Gemeinde sich vorbereiten. Im Januar beschloss die Gemeindevertretung, eine Fläche zwischen als potenziellen Standort zu prüfen. Im Februar/März beriet sie über den SEP der Gemeinde. Darin werden die Entwicklung der Schülerzahlen berechnet und mögliche Schulformen geprüft. Letztlich entscheidet der Landkreis, doch die Gemeinde sollte wissen, welche Schule sie selbst anstrebt.

Da fast 70% der Schöneicher Kinder Abitur machen steht die Frage: Wollen wir ein (weiteres) Gymnasium oder eine Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe? DIE LINKE setzt sich vehement für eine Gesamtschule ein! Diese böte alle Schulabschlüsse an, gäbe den Kindern ein Jahr mehr Zeit bis zum Abitur (nach 13 Jahren) und stünde allen Schöneicher Kindern offen. Denn nur die Hälfte von ihnen erfüllt die (formalen) Voraussetzungen für den Besuch eines Gymnasiums. Mit einer der beiden Grundschulen könnte eine Gesamtschule außerdem ein Schulzentrum (Gemeinschaftsschule) bilden, an dem von der Klasse 1 bis 13.

Im Entwurf für den Gemeinde-SEP wurde jedoch nur ein Gymnasium ernsthaft geprüft. Der Bedarfsermittlung wurde nämlich ausschließlich die Anwahlquote der letzten Jahre für bestehende Schulen in Schöneiche und der Umgebung zu Grunde gelegt. Es gibt allerdings gar keine öffentliche Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe in der Region. Diese kann daher gar nicht angewählt werden. Entsprechend niedrig ist die Anwahlquote für diese Schulform. Dies als Begründung dafür zu nehmen, nur ein (weiteres) Gymnasium sei zu empfehlen, ist mindestens methodisch fragwürdig.

Im Bildungsausschuss der Gemeindevertretung ist der SEP im Februar deshalb durchgefallen. Fraktionsübergreifend wurde diese Kritik geteilt. Die Linksfraktion stellte deshalb einen Änderungsantrag mit dem Ziel, die Bedarfsermittlung für eine Gesamtschule auf Basis der Erfahrungen von Gemeinden zu überarbeiten, die mit Schöneiche vergleichbar sind und deren Schüler*innen eine Auswahl zwischen Gesamtschule und Gymnasium in öffentlicher Trägerschaft haben. Birkenwerder, Zossen, Zeuthen, Panketal, Kloster Lehnin und andere böten sich dafür an. Außerdem beinhaltete der Antrag, dass die Einrichtung eines Schulzentrums geprüft werden solle.

In der Gemeindevertretung am 14. März kam dann das böse Erwachen: Obwohl sie sich zuvor anders geäußert hatten, lehnten SPD und CDU gemeinsam mit GRÜNEN, FDP, Neuem Forum, Feuerwehr und Bürgermeister den LINKEN-Antrag ab (8 Ja, 11 Nein, keine Enthaltungen). Am Ende fand sich also wieder die ganz große neoliberale Koalition. 51% der Schöneicher Kinder können nicht auf ein Gymnasium gehen. In Deutschland hängt der Bildungserfolg wie nirgendwo sonst in den Industrieländern vom sozialen Hintergrund der Familien ab. Es ist offensichtlich, für wen die Mehrheit der Gemeindevertretung und der Bürgermeister in Schöneiche Politik machen.

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