20. Februar 2017

Wer kann noch in Schöneiche wohnen?

Bildquelle: Creative Commons CC0 von pixabay.com

Der Schöneicher Wohnungsmarkt ist seit Jahren angespannt. Insbesondere für Familien, jüngere Leute und Senioren mit geringen Einkommen wird es immer schwieriger, eine bezahlbare Wohnung in der Gemeinde zu finden. Die Kommunalpolitik reagiert halbherzig.

Steigende Grundstückspreise und Mieten sind inzwischen nicht mehr neu in der Waldgartengemeinde Schöneiche bei Berlin. Seit 2014 gehört sie zu den rund 30 Brandenburger Kommunen, in denen die sogenannte Mietpreisbremse gilt. Und weiterhin sind viele Menschen daran interessiert, sich in Schöneiche niederzulassen.

 

Verdichtungspotenzial bei Baugrundstücken

Für Haushalte mit einem mittleren oder hohen Einkommen ist das bisher kaum ein Problem. Nach einer Untersuchung für die Gemeindeverwaltung gab es im Jahr 2015 noch 701 potenzielle Baugrundstücke im Bestand. Hinzu kommen Flächen, wo Investoren gern neue Wohngebiete mit Ein- oder Zweifamilienhäusern errichten möchten, z.B. auf dem Gelände der ehemaligen Gärtnerei an der Woltersdorfer Straße. Ein eigenes Haus zu bauen, ist (natürlich mit dem nötigen Kleingeld) also noch immer gut möglich und wird das wohl auch bleiben.

 

Aktueller Neubau von Mietwohnungen

Tatsächlich sind in den vergangenen Jahren auch einige neue Mietwohnungen von privaten Investoren gebaut worden. Die Grünheider Firma B.R.B. Immobilien hat bereits die Wohnungen am Heuweg (östlich des Edeka-Marktes) errichtet. Derzeit befinden sich weitere Wohnungen an der Dorfaue sowie zwischen Heuweg und Brandenburgischer Straße im Bau. Wer hier einziehen will, darf allerdings nicht geizig sein. An beiden Standorten liegt die Warmmiete um 14 €/qm ohne Strom und Telefon.

Für Haushalte, deren Miete durch das Amt für Grundsicherung gezahlt wird, wurden im Jahr 2015 4,50 €/qm Kaltmiete veranschlagt. Addiert man darauf den Durchschnittwert für die Betriebskosten (nach Betriebskostenspiegel des Deutschen Mieterbundes 2015) in Höhe von 2,19 €/qm, ergeben sich etwa 6,69 €/qm Warmmiete, die zahlen kann, wer auf staatliche Leistungen angewiesen ist.

Vor diesem Hintergrund ist unschwer festzustellen, dass die Mietwohnungen der Firma B.R.B. Immobilien auch für Familien und Alleinstehende mit unteren und mittleren Einkommen in der Regel unbezahlbar sein dürften. Das betrifft insbesondere junge Leute in Ausbildung/Studium, junge Familien mit Kindern sowie Seniorinnen und Senioren mit kleinen Renten.

 

Bedarf an bezahlbarem Wohnraum

Wie aus einer aktuellen Übersicht der Gemeindeverwaltung hervorgeht, ist der Bedarf an günstigen Mietwohnungen groß. Allein im Jahr 2016 haben 69 Personen mit einem Wohnberechtigungsschein (WBS) eine kommunale Wohnung nachgefragt. Das betrifft nicht nur Sozialleistungsempfänger, sondern (bei sog. Sozialwohnungen) alle Menschen mit Einkommen von weniger als 1.500 €/Monat (Haushalt mit zwei Personen ohne Kinder). Weniger als einem Drittel konnte eine Wohnung in Schöneiche angeboten werden.

Wird für Arme und Niedrigverdienende in Zukunft kein Platz mehr in Schöneiche sein? Jedes Jahr bräuchte es mindestens 30 weitere Wohnungen zu WBS-Bedingungen, noch mehr für Menschen knapp oberhalb der WBS-Einkommensgrenzen.

 

Wohnungspolitik der Gemeinde

Die Gemeinde schafft im Jahr 2017 gerade einmal acht neue Wohnungen in der Krummenseestraße und eine in der Friedrichshagener Straße. In den nächsten Jahren sind rund 30 weitere Wohnungen in Grätzwalde geplant. Eine mittelere zweistellige Anzahl neuer und vergleichsweise günstiger Wohnungen will die Genossenschaft BWV Köpenick eG auf ihren Flächen am westlichen Stegeweg errichten.

Eines steht also fest: Die bisherigen Neubauvorhaben der Gemeinde reichen (selbst zzgl. der Genossenschaftswohnungen) nicht aus, um den Bedarf an günstigen Mietwohnungen im Ort zu decken. Doch nur so kann langfristig garantiert werden, dass auch Familien, Junge und Ältere mit geringeren Einkommen eine Chance haben in der Walgartenkulturgemeinde zu leben.

Bisher jedoch werden alle Maßnahmen, private Investoren an der Schaffung günstigerer Mietwohnungen zu beteiligen, in der Gemeindevertretung breit abgelehnt. Zuletzt geschah dies bei Beschlüssen zur Einrichtung eines Wohngebietes in der Goethestraße 55 D-G. Stattdessen lehnen sich insbesondere CDU, SPD, FDP, UBS und Neues Forum zurück und verweisen auf die oben genannten (offensichtlich unzureichenden) Vorhaben.

Gleichzeitig nutzen sie jede Gelegenheit, um nicht-profitorientierte Initiativen wie das Schöneicher Wohnprojekt auszubremsen. Auf diese Weise wird die Wohnungspolitik in unserer Gemeinde weiterhin vor allem Besserverdienenden und Investoren zu Gute kommen.

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